Unter der Rubrik "Alltagsgeschichten" berichten wir regelmäßig über unsere Arbeit mit unseren "Nachbarn". Wie ist der Nachbar in diese Situation geraten? Wie konnten wir helfen?

Vielen Lesern werden diese oder ähnliche Geschichten aus Ihrem privaten Umfeld bekannt vorkommen. Einsamkeit und Not kann einen jeden treffen.

Mir wurde geholfen

Ein Arbeitstag wie jeder andere. Es schellt das Telefon. Marieke, die Sozialarbeiterin von hallo nachbar!, hebt ab. „Ich bin seit einem halben Jahr allein, mein Mann ist verstorben. Kann jemand von Ihnen vorbeikommen? “Wie immer ist Mariekes Antwort: „Ich werde selbst kommen und sehen, wie es Ihnen geht.“

Marieke hält Wort und besucht Marion* in der dritten Etage, eine schmale Treppe hoch. Sie sieht auf den ersten Blick: Diese Frau, ca. 70 Jahre alt, ist ohne Hilfe in ihrer Wohnung praktisch gefangen. Denn Marion hat nur noch ein Bein, mit der Prothese kommt sie nicht zurecht. In der Wohnung bewegt sie sich im Rollstuhl, die Treppe kann sie nicht benutzen und einen Rollstuhl gibt es nicht. Beim zweiten Besuch stellt Marieke ihr eine junge Ehrenamtliche aus der Nachbarschaft vor, die sie nun regelmäßig besuchen wird.

"Seitdem hat sie keine Briefe mehr geöffnet"

Den Tod ihres Partners hat Marion noch nicht verkraftet. Seitdem hat sie keine Briefe mehr geöffnet, auch amtliche nicht. Auch nicht die Briefe vom Sozialamt, die die Ehrenamtliche mit ihrer Erlaubnis öffnet. Dort steht, dass Marion als Alleinstehende nunmehr eine zu große Wohnung hat und sie deshalb kein Recht mehr hat auf die bisherige Mietbeihilfe über die Grundsicherung. Die soll gestrichen werden, die Frist steht kurz bevor. Und was das heißt, weiß Marieke genau: Mietausfall, Kündigung. Da sie sich gefangen in der alten Wohnung nicht um eine neue Wohnung kümmern kann, besteht die Gefahr, dass Marion am Ende auf der Straße landet, und das mit 70 Jahren…

Marieke und die Ehrenamtliche schalten sofort. Sie nehmen Kontakt mit dem Sozialamt auf, das bereit ist, die Frist zu verlängern, wenn sich aktiv um eine neue Wohnung bemüht wird. Sie stellen mithilfe einer Vollmacht den Kontakt zum Wohnungsamt her, dem es schließlich gelingt, eine rollstuhlgerechte Wohnung mit Aufzug im Betreuten Wohnen zu finden. Auch der Umzug gelingt ohne Kosten für Marion durch das Wohnungsamt und unter Mithilfe von Ehrenamtlichen von hallo nachbar.

Heute ist Marion glücklich: Sie ist mobil und kann inzwischen mit einem elektronischen Rollstuhl selbstständig das Haus verlassen. Außerdem hat sie dort Anschluss an Gleichaltrige. Da sie kein Pflegegeld erhält, hilft Marieke ihr eine Haushaltshilfe mit Unterstützung der Bürgerstiftung Düsseldorf zu fi nden. Praktische Hilfe durch die Ehrenamtliche braucht sie nicht mehr, das tun jetzt andere. Aber dennoch trennen sich beide nicht. Denn die Aktion hat sie zusammengeführt. Und aus der ehrenamtlichen Hilfe ist eine Freundin geworden, der sich Marion ganz anvertraut. Für sie ist „hallo nachbar!“ Wirklichkeit geworden – eine Wirklichkeit, die ein ganz neues Leben bedeutet. Denn, wie Marion immer wieder sagt: „Seit ich Euch kennen gelernt habe, bin ich nicht mehr allein.“

Es bräuchte weitaus mehr professionelle Hilfe

So ähnlich wie bei Marion, so geht es vielen der „Nachbarn“, die inzwischen betreut und begleitet werden. Nicht zu vergessen all die, die schon beim Telefonkontakt durch das Zureden von Marieke in das soziale Netz der Gesellschaft zurückgeleitet werden konnten – zu den Zentren Plus für Senioren, zu Nachbarschaftstreffen oder andere lokale Einrichtungen. Für sie alle, inzwischen über 80 „Nachbarn“, und die nicht minder zahlreichen Ehrenamtlichen ist Marieke da. Kein Wunder, dass hier langsam eine Kapazitätsgrenze erreicht ist. Katharina mit der Begleitung von zusätzlichen Einzelfällen, die Akuthilfe und Beratung brauchen, und Nadine im Raum Eller/Lierenfeld helfen ihr inzwischen. Aber es bräuchte weitaus mehr professionelle Hilfe, das spüren vor allem die Ehrenamtlichen immer wieder. Nur: Das bedeutet noch mehr Geld in die Hand nehmen, wo es doch derzeit schon so nicht reicht.

Der gute Wille ist da, den vielen nachfragenden Nachbarn zu helfen – es sind mit den bisherigen zusammen weit über hundert! -, damit sie wieder Freude am Leben haben. Aber es fehlen die Mittel. Ein Problem, das wir allein nicht lösen können. Aber vielleicht – nein: ganz sicher – mit Ihnen zusammen! Denn auch eine noch so kleine Hilfe bringt uns weiter.

Gewiss, die Ehrenamtlichen bekommen für ihren Einsatz kein Geld. Aber das ist nicht alles. Denn es braucht Organisation, Begleitung, fachliche Einschätzung und vieles mehr. Deshalb geht es nur mit Ihrer Hilfe.

Aktuell betreuen wir 80 Nachbarn und werden immer wieder um Hilfe angefragt. Mit 20,- € pro Woche & Nachbar ist uns schon weitergeholfen! Wir danken jedem, der uns hilft, diese Kosten zu meistern.